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 The Disease (Vjal & Cynthia)

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Cynthia

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BeitragThema: The Disease (Vjal & Cynthia)   Mo Jun 14, 2010 8:22 pm

Wochen vergingen, Monate strichen dahin - doch Handelsware und Nachricht blieben aus. Boten, die man schickte, kehrten nie zurück. Und schließlich entschloss man sich, die Hohen und Mächtigen zu benachrichtigen.
Dörfer an der Grenze des Reiches, in den so unerforschten Gebirgen, die auf einmal hinter einem Schleier der Ungewissheit verschwanden? Gerüchte entstanden, fanden ihren Weg rascher als die Truppen, die entsandt wurden. Erst nach quälend langen Wochen kehrten diese zurück, und sie brachten grausige Nachrichten.
Als sie in jenem Bergdorf ankamen, regte sich dort keine Seele. Altes Blut befleckte die versengten Ruinen. Erst als sie tiefer in die Wälder drangen, trafen sie auf die Menschen, die einst dort wohnten.
Oder das, was von diesen übrig war.
Grausige Fratzen kamen ihnen zwischen den Bäumen entgegen, und unbekannte Kräfte ließen die mutierten Bauern und Handwerker die Soldaten niederreißen. Zahlreiche fielen ihnen zum Opfer, und die nie ermüdenden Kreaturen schlossen die Überlebenden im Dunkel der Bäume ein.
Aber es war ihnen gelungen, zurückzukehren. Doch mit ihnen kam die Krankheit, der Zauber, was immer es war - jenes Verderben, dass die Dörfler in Monster verwandelt hatte, grassierte nun überall. Angst und Panik legten sich über alle Völker, und Misstrauen erwuchs: Wer war schuld, was war der Zweck? Statt zusammenzuarbeiten, entstand Zwiespalt, und das Chaos wuchs. Jeder begann, auf eigene Faust zu handeln, und die Herrschenden vermochten nicht mehr, alles zu ordnen. So zersplitterten Königshäuser und uralte Räte, alte Fehden wurden von all dem Misstrauen geweckt wieder aufgegriffen und jeder versuchte so viel an sich zu reißen wie ihm gelang.
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Cynthia

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BeitragThema: Re: The Disease (Vjal & Cynthia)   Di Jun 15, 2010 10:18 pm

Es war ein warmer Tag, die Sonne spickte die Erde mit grellen, heißen Strahlen. Der Geruch von Schweiß und Staub hing schwer in der Luft. Der Himmel war klar und von einem hellen, bleichen Blau; kein Wind wehte in den engen Straßen, an deren Seiten sich hohe, zumeist steinerne Gebäude hinaufreckten. Nur wenige, kleine Fenster, die allesamt verdunkelt waren, waren in den nachlässig verputzten Mauern zu sehen. Es war kaum jemand unterwegs; es war Mittagszeit, und wer konnte, ruhte sich in einem dunklem, kühlen Raum oder zumindest im Schatten der Häuser aus. Nur ab und an sah Lucia eine einzelne Person oder kleine Gruppen vorbeihuschen, hie und da kamen ein Reiter oder ein Gefährt vorbei. Doch alles in allem war es recht ruhig, und sie war dankbar dafür. Ihr Blick wanderte zurück auf das Pergamentblatt, das sie in den Händen hielt. Es war Papier billiger Qualität und die Tinte war blass und zum Teil verschmiert, doch die Nachricht darauf schien mit Ernst formuliert zu sein. Sie enthielt die Aufforderung, sich gegen Geld auf den Weg in die Berge zu begeben.
Unwillkürlich fasste sich Lucia an die Hüfte, wo ihr Mal in einem pechschwarzen Kringel entsprang. Die Berge - zur Zeit wohl der gefährlichste Ort des Reiches. Eine gewisse Furcht vor dem, was dort lauerte - oder was die Leute spekulierten, dort zu sein - kribbelte in ihr, doch viel größer waren Neugier, die Lust auf die Gedankenlosigkeit und den Rausch schwerer Kämpfe, auf die lange Reise, fern vom Rummel der Städte. Doch vor allem fehlte es ihr an Geld. Ein kleiner Seufzer öffnete ihre Lippen und sie wischte sich mit der rechten Hand, die noch das Blatt hielt, den Schweiß aus den Augen. Gleichzeitig griff sie mit der linken nach ihren Stiefeln, die sie soeben ausgezogen hatte, und machte sich auf den Weg zu jenem Platz, wo sich Interessenten zur Mittagszeit diesen Tages einfinden sollten.
Sie war nicht fern von dort; es war ein hohes, jedoch verlassenes Gebäude, das auch aus größerer Entfernung zu sehen war. Es war ein alter Wachturm; die Stadtmauern waren längst weiter nach außern verschoben worden.
Vor ihr verbreitete sich alsbald die Gasse, und sie befand sich auf einem Vorplatz. Dieser war leer.
//Bin ich so früh?//
Ihre Füße trugen sie zu den großteils eingesunkenen und zerbrochenen Treppenstufen, die zu der mit einem rostigen Vorhängeschloss verriegeltem Tor führte, das den Eingang in den Turm selbst darstellte. Hier war es schattig. Erleichtert ließ Lucia sich nieder, legte ihren Rucksack neben sich ab und streckte die Beine aus.
Sie befand, dass es ein seltsamer Ort war, um sich für dieses Vorhaben zu treffen; doch vielleicht gab es Umstände, die es jenem offenkundig reichem Manne, der sie zu bezahlen gedachte, unmöglich machten, sie in seinem Anwesen zu empfangen.
Doch es sollte ihr egal sein. Solange sie ihr Geld bekam, kümmerte es sie nicht weiter.
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BeitragThema: Re: The Disease (Vjal & Cynthia)   Mi Jun 16, 2010 8:02 pm

Der Lärm seiner schweren Schritte eilte ihm durch die engen Gassen, die kaum genug Platz für ihn boten, weit voraus. Die wenigen Leute, die ihm entgegenkamen, wichen ihm ehrfürchtig aus und sahen ihn erstaunt und beinahe verängstigt an. Man sah schließlich nicht jeden Tag einen Hünen mit gewaltigen Schwingen, die seinem Rücken entsprangen, der bei sengender Hitze in voller Schlachtrüstung durch die Stadt wanderte und dem die pralle Sonne nichts auszumachen schien.
Kaj beachtete die Menschen in den Gassen und Straßen kaum, nahm nur am Rande wahr, wie sie sich in Eingänge und Seitenstraßen flohen, um seiner gewaltigen Gestalt Platz zu machen. Er fragte sich, warum ein Mann, der reich genug war, eine solch fürstliche Entlohnung in Aussicht zu stellen, den Treffpunkt für Interessenten in ein solch entlegenes Viertel der Stadt legte. Es würde sich sicher klären, sobald er dort angekommen war. Das ihm wohlbekannte Gefühl der Aufregung erfasste ihn wieder, wenn er an die bevorstehenden Ereignisse dachte. Die Nachricht über die Krankheit in dieser Region hatte sich schnell verbreitet. Sofort hatte er sich auf den Weg gemacht, um mehr darüber zu erfahren und zu sehen, ob er im Namen Kords helfen konnte. Und sieh an, schon in dieser Stadt gab es jemanden, der mutige Abenteurer suchte, um dieses Problem zu lösen. Er dachte, mit einem Gefühl der Vorfreude, daran, dass er Kord in den sicherlich bevorstehenden Kämpfen wieder einmal seine Stärke und sein Können würde beweisen können und dass er den Gaben würdig sei, die ihm verliehen wurden. Wenn er den Menschen hier helfen konnte und jemand ihn dafür auch noch entlohnen würde, gab es seiner Meinung nach nichts dagegen einzuwenden.
Er dankte Kord für seinen Segen, ohne den die Hitze es wohl unmöglich gemacht hätte, in seiner geliebten Rüstung umhergehen zu können. Kurze Zeit später kam sein Ziel in Sichtweite. Ein alter Wachturm, der nun warscheinlich als Wohnung fungierte. Schließlich bog er um eine Ecke und vor ihm lag ein Platz, der sich vor dem Wachturm erstreckte. Kaj blieb stehen und sah sich um. Der Platz war nicht besonders groß, die Häuser scharten sich eng um ihn herum. Im Schatten auf den Treppenstufen vor dem Turm saß eine Gestalt. Kaj schritt auf sie zu. Beim Näherkommen erkannte er, dass es sich um eine zierliche, junge Frau handelte. Trotz ihrer Statur schien sie nicht wehrlos zu sein, was durch die beiden Messer an ihrer Hüfte noch unterstrichen wurde. Scheinbar ebenfalls eine Interessentin. Er trat zu ihr heran, ließ seinen schweren Rucksack
auf den Boden gleiten, verschränkte die Arme und sah die Frau an.
"Bin ich zu früh?"
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BeitragThema: Re: The Disease (Vjal & Cynthia)   Mi Jun 16, 2010 9:37 pm

Das Geräusch stampfender Schritte ließ Lucia ihren Blick heben. Ein gewaltiger Schatten, dem eines grausigen Monsters gleich, fiel zwischen den Häusern auf den Boden. Ihre Augenbrauen hoben sich, während sie jene Gestalt ansah, die dem Schatten unmittelbar folgte. Sie zog die Beine an ihren Körper; beeindruckend und respekteinflößend war der Anblick, der sich ihr bot: Ein hochgewachsener, geflügelter Krieger, bewaffnet mit einem gewaltigen Schwert, trat hervor; Stolz schien aus seiner Haltung zu sprechen, Selbstbewusstsein aus seinem Gang.
/Kein ungern gesehener Gefährte im Kampf/, stellte sie trocken fest und kniff die Augen gegen die Sonne zusammen, während der Mann nähertrat.
"Seid auch Ihr gegrüßt, mein Herr", entgegnete sie schnippisch und strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. "Die Sonne sinkt schon wieder, ich denke, andere sind eher zu spät."
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BeitragThema: Re: The Disease (Vjal & Cynthia)   Mi Jun 16, 2010 10:22 pm

"Hoffen wir, dass es noch andere geben wird."
Kaj hoffte tatsächlich, dass es noch andere geben würde. Diese Frau hatte etwas Seltsames an sich... das sagte ihm sein erfahrener Instinkt. Doch noch konnte er nicht erfassen, was es war. In Anbetracht der Tatsache, dass er in Zukunft wohl noch viel Zeit mit ihr zubringen würde müssen und Vertrauen in einem Unternehmen wie dem Kommenden eine wichtige, geradezu überlebensnotwendige Rolle spielte, hielt er es für das Klügste, sie nicht gleich zu verärgern.
"Ich war unhöflich, bitte verzeiht." Er streckte die Hand aus. "Mein Name ist Kaj Kendrikson, ergebener Diener des Kord"
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BeitragThema: Re: The Disease (Vjal & Cynthia)   Mi Jun 16, 2010 11:10 pm

Sie nickte; obwohl sie die Nähe allzu vieler Menschen scheute, so wünschte sie sich bei ihrem jetzigen Vorhaben doch, eine größere, stärkere Gruppe um sich zu haben. Ihr war unwohl, und sie hatte das Gefühl, dass all dies noch viel größere Ausmaße annehmen und viel umfassendere Konsequenzen haben würde, als allgemein angenommen. Es war keine einfache Krankheit. Es verwandelte Menschen in Monster, und es breitete sich rasend schnell aus.
Ihren Mund umspielte ein leichtes Lächeln, als sie ihm ihre Hand gab - die in seiner mächtigen Pranke geradezu zu verschwinden schien.
"Mein Name ist Lucia" , war ihre einzige Antwort. Sie musterte Kaj interessiert und ohne Scheu, doch auch distanziert. Aber dann glitt ihr Blick von ihm ab, sie wandte den Kopf zur Seite, denn sie hatte eine dritte Gestalt erspäht, sie sich zu ihnen gesellte.
"Schaut...da kommt noch jemand."
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BeitragThema: Re: The Disease (Vjal & Cynthia)   Do Jun 17, 2010 10:04 pm

Bevor Kaj sich umdrehen konnte, ertönte hinter ihm eine rauhe, rumpelnde Stimme:
"So wie ihr ausseht, bin ich hier richtig für diese Krankheitsgeschichte."
Kaj wandte sich zur Quelle der Stimme um. Und sah nichts. Dann sah er nach unten.
"Wenn jetzt irgendeine dumme Bemerkung wegen meiner Größer kommt, Langer, sorg ich dafür, dass wir uns in die Augen schauen!"
Vor Kaj stand eine Gestalt, die nicht viel mehr als halb so groß war wie er. Offentichtlich war er ein Zwerg, mit seinem mächtigen Bart, den beiden mächtigen Äxten, die an seinem Rucksack befestigt waren und dem mächtig mürrischen Blick, mit dem das Geschöpf zu ihm hinaufsah. Der Zwerg bot einen interessanten Anblick, war er doch nicht wie die meisten Vertreter seines Volkes rundum in Stahl gehüllt. Dieser hier trug zu Kajs Erstaunen keinerlei Rüstung. Kaj hatte noch nie einen Zwerg ohne Rüstung gesehen.
"Was starrst du so, Menschling? Kriecht ein Goblin in meinem Bart herum oder was?"
Kaj zog eine Augenbraue hoch. Der Zwerg faszinierte ihn auf unbestimmte Art. Mit seinem leuchtend orangerot gefärbten Bart und der hoch aufragenden Sichelfrisur, den gewaltigen Muskelbergen an seinen Armen, den Tätowierungen, die seinen Körper zierten, der Stoffbinde, die sein linkes Auge verbarg und den Narben, die seinen Körper bedeckten war er eine imposante Erscheinung.
"Es befindet sich kein Grünzeug in eurem Bart, soweit ich das sehen kann." Kaj streckte dem Zwerg die Hand aus. "Mein Name ist Kaj Kendrikson. Und wie nennt ihr euch?"
Der Zwerg ergriff die Hand, die überraschenderweise genauso groß war wie die Seine.
"Vodrek Varkson"
Die beiden hielten ihre Hände einen Augenblick, wie um die Stärke im Griff des Anderen abzuschätzen. Dann musterte Vodrek die dritte in der Runde.
"Und wer ist dieses zarte Maidlein, das sich im Schatten vor der Sonne verkriecht?"
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BeitragThema: Re: The Disease (Vjal & Cynthia)   Do Jun 17, 2010 11:17 pm

Lucia betrachtete den Zwerg. Sein Anblick war interessant und ebenso beeindruckend und faszinierend wie der Kajs - wenn auch auf völlig andere Weise. Sie musterte die Stoffbinde, die das Auge verbarg, und das orangefarbene, seltsam getragene Haar. Ein großes Mundwerk schien der Söldner zu haben; Lucia seufzte leise, als der Fremde sich ihr zuwandte.
"Mein Name ist Lucia", sagte sie zum zweiten Male und überging seine Bezeichnung für sie. Ob er sie wohl provozieren wollte? Nun, was interessierte es schon. Sie lächelte ihm höflich zu - und wandte sich dann irritiert um. Etwas dunkles, unscheinbares war da--
Ihr Blick fiel auf eine Frau, hochgewachsen, schwarzhaarig und mit einem abweisendem Blick.
"Ich glaube, unser Auftraggeber stößt zu uns", sagte sie, und ihre Stimme klang scharf und süßlich zugleich. Überrascht von ihrem plötzlichen Auftauchen und der seltsamen Aura, die sie umgab, starrte Lucia sie noch einen Moment an, dann sah sie in die selbe Richtung wie auch die Frau. Ein kleines Gefährt, eine schmale, einspännige Kutsche, kam zwischen den Häusern hervor. Der breite, wuchtige Apfelschimmel schnaubte und warf seine Mähne hin und her. Laut klackerten seine Hufe auf dem harten Untergrund, die Kutsche rumpelte hinterher.
"Ja..", sagte Lucia, schaute jedoch wieder zu der Frau. "Wer seid Ihr?"
"Anesha", war die kurze Antwort. Ebendiese schritt nun der Kutsche entgegen; ihre Bewegungen waren elegant und fließend - und vor allem absolut lautlos, wie ein kleiner Windhauch, wie ein Geist. Das Gefährt kam zum Stehen. Der Kutscher sprang ab und eilte zu der Tür, die er öffnete. Ein Mann stieg heraus; sein Haar war rotbraun, sein Kiefer kantig. Ein langes, grünes Gewand hüllte ihn ein, und dessen Farbe ließ seine erstaunlich grünen Augen geradezu leuchten.
"Ich grüße Euch", sagte er würdevoll und ein warmes Lächeln zierte seine schmalen Lippen. Hinter ihm verließ ein Bewaffneter die Kutsche, blieb jedoch daneben stehen. "Wie ich sehe, gibt es tatsächlich Mutige, die meinem Aufruf folgen."
Er hob einige Rollen Pergament, die er in der rechten Hand gehalten hatte. "Mein Name lautet Fürst Sades. Ich fühle mich geehrt, Euch kennenzulernen."
Anesha musterte den Mann kritisch, dann deutete sie auf die Dokumente, die er bei sich trug.
"Sind das Verträge?"
Ihr Auftraggeber, der Höflichkeit wohl gar nicht erst erwartet hatte, nickte freundlich. "Verträge und alle Informationen, die ich über dieses Thema zusammentragen konnte."
"Anscheinend sind dies nicht viele", mischte sich Lucia ein, die ebenfalls hinzutrat.
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BeitragThema: Re: The Disease (Vjal & Cynthia)   Fr Jun 18, 2010 10:37 pm

Kaj und Vodrek drehten sich erstaunt um. Vodreks Hände zuckten zu seinen Waffen, während Kaj seine rechte Hand zur Faust ballte und sich geradeso noch zügeln konnte, die Klinge aus seiner Armschiene gleiten zu lassen. Neben ihnen stand eine Frau, deren Gesicht von ihrem schwarzen Haar fast verdeckt wurde.
"Bei Moradins Hammer, was zum-" äußerte Vodrek seine Überraschung. "Was für ein Teufel seid ihr?"
In diesem Moment hörte Kaj das Klappern von Hufen und das Rollen hölzerner Räder und drehte sich um. Auch der Zwerg war einstweilen von der seltsamen Frau abgelenkt. Der Mann, der aus der Kutsche stieg, sah durchaus aristokratisch aus.
"Warum müssen Menschlinge eigentlich immer alles auf vergänglichem Papier festhalten? Ein Zwerg würde einen geleisteten Eid nie vergessen und erst recht niemals brechen...nie..." murrte Vodrek, doch gegen Ende versagte seine Stimme und sein Blick schweifte in die Ferne. Kaj ließ den Zwerg in seine Gedanken vertieft stehen und trat zu Lucia und dieser Anesha. Sie sah nach menschlichen Standards krank aus, mit ihrer bleichen Hautfarbe und den schwarz umrandeten Augen, die aussahen, als hätte sie tagelang nicht geschlafen. Trotzdem war ihr Blick hellwach, ihren Augen schien nichts zu entgehen. Dennoch, sie war noch unheimlicher als Lucia... um einiges. Es würde auf ihrer Reise noch viel zu klären geben.
"Es gibt in der Tat nicht viel an Informationen über diese Krankheit. Die meisten, die Zeuge von ihren Auswirkungen werden, fingen an, ihre Nachbarn zu zerfetzten oder flohen und sind verständlicherweise nicht gerade in Plauderlaune. Schließlich wurden sie meist von langjährigen Freunden, ihren Eheleuten oder sogar ihren eigenen Kindern fast ermordet."
"Schwächliche Menschen..." grummelte Vodrek, der nun ebenfalls zur Gruppe getreten und war.
"Das meiste von dem, was wir wissen, weiß jeder. Menschen werden von der Krankheit infiziert. Wir wissen aber nicht, wie die Leute infiziert werden. Von einem Tag auf den Anderen tauchen einstige Einwohner, grausam mutiert, im Dorf auf und fallen über alles Lebende her. Die wenigen Überlebenden werden meist auf der Flucht von der Krankheit dahingerafft und tauchen in Wäldern oder ähnlichem Gelände unter. Wir wissen jedoch etwas aus erster Hand, was nur wenigen bekannt ist. Ich hatte die Möglichkeit, mit einem der Soldaten zu reden, die den ersten Angriff überlebt haben und nicht infiziert sind. Er erzählte, er habe ziwschen den Bäumen, hinter den Mutanten, eine große Gestalt in schwarzen Roben ausmachen können, die die Monster scheinbar befehligte. Es liegt daher nahe, dass dies alles von irgendwem geplant und gesteuert ist. Wenn wir diese Person ausfindig und unschädlich machen können, sowie ein Heilmittel für die Krankheit finden könnten, könnten wir die Krankheit stoppen."
"Sagt, seid ihr ein Abgesandter der örtlichen Herrschaft?" fragte Kaj ihn.
Der Adelige lachte. "Nein, die Königshäuser sind zerstritten, sie sind nur damit beschäftigt, ihre Grenzen peinlich genau zu überwachen und den Herrschern anderer Regionen zu misstrauen. Sie alle denken wohl, die anderen Herrscher könnte die Krankheit nutzen wollen, um ihr Reich zu destabilisieren, zu schwächen und schließlich einzunehmen. Das letzte, an was sie denken, ist Kooperation bei dem Versuch, der Krankheit Einhalt zu gebieten. Und ich denke, wenn wir diese Seuche nicht aufhalten, wird dieses Land untergehen."
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BeitragThema: Re: The Disease (Vjal & Cynthia)   Sa Jun 19, 2010 2:26 pm

Anesha verschränkte die Arme und beobachtete mit gelangweilten Blick, was geschah und was gesprochen wurde - ganz so, als wisse sie bereits, was beredet wurde. Lucia hingegen schaute ernst.
"Ich habe gehört, dass der Ausgangspunkt das Bergdorf Tarar war. Sollten wir dorthin gehen oder sollten wir zuerst dorthin, wo die Mutierten sind und sie bekämpfen?", wollte sie wissen.
"Ich denke, ihr solltet direkt zur Quelle. Die Krankheit ohne Wissen um Gegenmittel einzudämmen wird kaum funktionieren."
Lucia nickte, sie hatte diese Antwort erwartet. Indes holte der Bewaffnete, der hinter ihrem Auftraggeber stand, einen eleganten, langen Füllfederhalter aus bläulichem Metall sowie ein Pergament aus der Kutsche. "Würden die Damen und Herren mir bitte Eure vollständigen Namen und Eure Herkunft sagen?", fragte er höflich.
"Lucia Mena heiße ich. Ich komme aus Frar", antwortete die junge Frau mit leichtem Zögern in der Stimme - im Gegensatz zu Anesha, die mit dem Inhalt ihrer schnellen, knappen Antwort leichtes Erstaunen in die Augen des Adligen zauberte.
"Anesha Samir, Augenwald."
"Samir? Diesen Namen kenne ich. Doch nicht im Zusammenhang von Augenwald, der mir nicht einmal als eine Siedlung bekannt ist", sagte der Mann und in seinem Blick lag Frage, doch Aneshas einzige Antwort war ein stilles Lächeln. Der Soldat schrieb indes die Namen auf und wandte sich dann Kaj und Vodrek zu. Sein Vorgesetzter begriff, dass Anesha ihm keine Auskunft geben würde, und wandte sich ebenfalls der Kutsche zu, um einige klimpernde Säckchen hervorzuholen.
"Nun...der Betrag des Lohnes, den Ihr im Voraus erhaltet, war bereits auf den ausgehängten Papieren zu sehen. Anderes habe ich im Moment nicht, um Euch zu helfen. Ich werde Euch allerdings regelmäßig Tauben zusenden, damit wir miteinander Kontakt halten können."
Jedem gab er einen gut gefüllten Geldbeutel. Anesha bemühte sich nicht, hineinzusehen, sondern verstaute ihn direkt in ihrer erstaunlich kleinen, abgenutzt aussehenden Tasche. Lucia hingegen öffnete das Behältnis und überprüfte Echtheit und Menge des Geldes, bevor sie es verstaute.
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BeitragThema: Re: The Disease (Vjal & Cynthia)   So Jun 20, 2010 9:37 pm

"Vodrek Varkson, Kharaz Kadrin."
"Kaj Kendrikson, aus den nördlichen Landen."
Vodrek studierte den Inhalt des Beutels, den der Bewaffnete ihm überreichte, mit professioneller Sorgfalt und verstaute ihn schließlich in seinem Rucksack. Kaj sah nur einmal hinein und steckte den Beutel dann ebenfalls weg.
"Also ist Tarar unser nächstes Ziel."
"Und seine Umgebung, in der Tat." antwortete Fürst Sades. "Hier ist eine Karte ebenjener, die ich in der örtlichen Bibliothek fand. Ich denke, sie könnte hilfreich sein, sobald ihr dort angekommen seid. Nun solltet ihr allerdings ein Gasthaus aufsuchen und eure Kräfte für die Reise sammeln. Ihr solltet etwa fünf Tage nach Tarar brauchen, weniger, wenn ihr euch Pferde leiht."
"Pferde kommen nicht in Frage!" protestierte Vodrek. Fürst Sades hob eine Augenbraue und sah ihn fragend an. "Kein Zwerg würde jemals auf einem Pferd reiten!"
"Nun, fünf Tage sollten nicht zuviel sein." meinte Kaj.
Sades sah nicht gerade begeistert aus, doch er schien nicht gerade darauf aus zu sein, sich mit Vodrek anzulegen.
"Gut. Nun möchte ich euch nicht weiter aufhalten. Ich wünsche euch viel Erfolg bei eurer Mission und den Segen eines jeden Gottes."
"Der Segen Kords sollte ausreichen und der ist uns gewiss."
"Wie ihr meint. Ich werde die Neuigkeiten aus der Region verfolgen und euch per Taube mitteilen. Sendet mir bitte stets einen Bericht mit zurück."
"Das werden wir. Auf Wiedersehen." Kaj machte eine leichte Verbeugung vor dem Fürsten.
"Hoffen wir es." Sades verabschiedete sich auch von den anderen und stieg in die Kutsche, die kurz darauf auf demselben Weg davonfuhr, auf dem sie gekommen war.
"Also, dann lasst uns ein Gasthaus aufsuchen. Meine Kehle ist von diesem Wetter schon ganz trocken."
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BeitragThema: Re: The Disease (Vjal & Cynthia)   So Jun 20, 2010 10:11 pm

Lucia sah Vodrek an. Was sträubte er sich, auf einem Pferd zu reiten? Sie verloren Zeit, wenn sie zu Fuß gingen. Doch sie ahnte, dass er sich dazu wohl nicht überreden lassen würde, wenn es nicht unbedingt drängte. Sie strich ihr Haar zurück und blickte sich um; sie kannte die Stadt und die Gasthäuser, doch welches sollten sie aufsuchen? Gerade wollte sie eines vorschlagen, das für hervorragende Kochkünste bekannt war, doch sie wurde unterbrochen.
"Ist es Euch zu luftig, hoch oben auf einem Pferd, Zwerg? Oder warum seid Ihr bestrebt, unsere Reise unnötig zu verlängern?", fragte Anesha, die der sich entfernenden Kutsche hinterhersah, bevor sie sich den anderen zuwandte.
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BeitragThema: Re: The Disease (Vjal & Cynthia)   Do Jul 01, 2010 3:45 pm

Vodreks Nackenmuskeln traten hervor. Es würde eine lange Reise mit dieser Hexe werden. Er unterdrückte die Wut, die ihn ihm hochkochte mit einiger Mühe.
"Kein - und ich kann es nur wiederholen und betonen - KEIN Zwerg reitet auf einem Pferd! Das ist alles, was ihr dazu wissen müsst!"
"Wir können auch einen Wagen mieten. Das würde uns ebenfalls zum Vorteil gereichen." versuchte Kaj die Situation zu entschärfen. "In welche Taverne wollen wir nun also einkehren?"
Doch Vodrek war mit Anesha noch nicht ganz fertig.
"Ich kann mich nicht erinnern, dass ihr meine Frage von vorhin bereits beantwortet habt, Hexe. Was seid ihr überhaupt? Und kommt mir nicht mit Mensch, ein Snotling würde sehen, dass ihr weit mehr, oder besser weniger, seid!"
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BeitragThema: Re: The Disease (Vjal & Cynthia)   Do Jul 01, 2010 4:11 pm

Aneshas linker Mundwinkel war zu einem leichten, spöttischem Grinsen erhoben, als sie amüsiert zu ihm hinuntersah.
"Natürlich, Ihr würdet auch niemals tun, was kein Zweg tut. Denn Ihr Zwerge habt ja Euren kollektiven Ehrenkodex, dem jeder entsprechen will - ihr nehmt euch die Freiheit für Regeln, ohne die ihr nicht leben zu können meint, und schränkt Euch doch nur ein."
Ihre Augen schlossen sich leicht, sie erwartete die Reaktion Vodreks offenbar gewillt, diese Diskussion so weiterzuführen, obgleich der Wunsch, rasch reisen zu wollen, eher zweitrangig zu sein schien.
"Und was Eure Frage anbelangt, mein Lieber...Ihr habt vollkommen recht - ich bin tatsächlich viel weniger als ein Mensch." Ein leises Lachen verließ ihre vollen Lippen; dann wandte sie kurzfristig dem zu, was nun eher zu regeln war als die Ansichten über die Verbindung zwischen Ehre und der Abneigung zum Reiten.
"Ein Wagen klingt nach einer guten Idee, allerdings wird es nicht allzu leicht sein, ein wirklich geeignetes Gefährt zu finden."

Lucia folgte der Szene mit hochgezogener Augenbraue; solcherlei Konversationen würden wohl nicht selten entstehen auf dieser Reise. Sie entschied im Voraus, sich bei Kaj zu halten, der eindeutiger ruhigerer Natur war.
Es war ihr suspekt, wie jähzornig der Zwerg sich verhielt, jedoch noch mehr, dass Anesha äußerte, sie wirklich weniger als ein Mensch. Sie krauste die Stirn; entschied jedoch, sich in dieses Gespräch nicht einzumischen, viel zu umständlich war ihr der viele Wortwechsel, der rot gefärbt war von Zorn und Hohn. Stattdessen lenkte sie weiter ab.
"Es gibt in der Nähe ein Gasthaus, wo ich schon häufiger war, das Essen dort ist vorzüglich", meinte sie, "ich habe den Namen vergessen, aber ich kenn' den Weg, es ist nicht allzu weit weg."
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BeitragThema: Re: The Disease (Vjal & Cynthia)   Do Jul 01, 2010 4:20 pm

"Dann lasst uns aufbrechen." meinte Kaj, während er eine Hand auf Vodreks Schulter legte. Der Zwerg bebte vor unterdrücktem Zorn, sein Gesicht lief leicht rot an und er knirschte mit den Zähnen, während er zornig auf Aneshas Hinterkopf starrte.
"Die Frage beantworten tut das allerdings auch nicht..." sagte er mühsam kontrolliert.
"Es wird sicher noch eine Antwort geben, aber erst sollten wir unsere erhitzten Gemüter bei einem guten Horn Met abkühlen. Was haltet ihr davon, Vodrek?"
"Gegen Met ist nie etwas einzuwenden." sagte der Zwerg, und die Aussicht auf das Getränk schien ihn bereits zu beruhigen. Er vermied es, Anesha anzusehen und wandte seine Aufmerksamkeit Lucia zu.
"Also Miss Lucia, wolang geht´s?"
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BeitragThema: Re: The Disease (Vjal & Cynthia)   Do Jul 01, 2010 6:50 pm

Lucias Blick hing noch einen Moment an Vodreks Gesicht; es faszinierte sie, wie wütend er wegen solch einer Nichtigkeit so rasch werden konnte. Als er sie jedoch direkt ansprach, nickte sie und wandte die Augen ab. Sie rückte ihren Rucksack zurecht und schritt voran. Der Weg war ein anderer als der, den sie selbst hierher genommen hatte, und auch ein anderer als der, den die Kutsche gekommen und gegangen war.
Sie durchquerten einige Gassen und Straßen; die Sonne war inzwischen im Sinken begriffen, und das orangegelbe Spätnachmittagslicht war angenehm im Vergleich zu der grellen Hitze des Mittags. Das unebene Steinpflaster trug etliche Menschen, Tiere und Wagen. Vogelgezwitscher drang undeutlich durch das Gewirr von Lauten - rasche Schritte, Hufgeklapper, Reifengepolter; Stimmen von Wispernden und Rufenden; gehetzte Tierlaute, die lauthals ihr Leid klagten. Die Sommerwärme ließ unmerkliche Gerüche zu aufdringlichem Gestank werden; es roch nach Schweiß, Geschäftigkeit, Leder; nach Pferden, nach Essen und nach Exkrementen. Lucias Nase zog sich ein wenig zusammen, und ihr Schritt wurde schneller. Dann erreichten sie endlich ihr Ziel.
Es war eine recht große Schenke, die sie betraten; die weiß verputzte Frontseite machte einen gepflegten Eindruck - selbst die quadratischen Fenster waren geputzt und gaben den Blick auf den zu dieser Zeit noch nicht allzu stark gefüllten Schankraum frei. Dunkelbraune Streben, die die selbe Farbe trugen wie die Fensterkreuze und der Türrahmen, verstärkten das Gebäude und malten gemaserte Linien in den glatten Putz.
'Zum silbernen Storch' stand in geschwungener, reich verschnörkelter Schrift auf einem Schild, das über der Tür hing; beides schien recht neu zu sein, und die rotbraune bis dunkelgelbe Färbung wies auf frisches Kiefernholz hin. Lucia fiel auf, dass Tür und Schild wohl seit ihrem letzten Besuch ausgetauscht worden waren. Der in silbriges Metall gestanzte, kunstvoll ausgearbeitete Storch, der über der Tür auf dem Schild angebracht war, war jedoch der selbe geblieben. Einen Augenblick blieb Lucias Blick an dem stolzen Tier hängen, das, ein Bein leicht erhoben, seine Augen auf den Eintretenden richtete und ihn mit dem leicht geöffnetem Schnabel willkommen zu heißen schien. Doch dann griff sie nach der Klinke, stieß die Tür auf und trat ein. Der Geruch von Alkohol und duftendem Essen wallte ihr entgegen, gefolgt von einer Welle von Gelächter und plaudernden, ernsten oder streitenden Stimmen. Der Schankraum wies, ebenso wie die Außenseite des Hauses, auf den Reichtum der Inhaber hin; Boden, Wände, Decke, Theke genau so wie die anderen Möbel waren sauber und gut instand gehalten. Der selbe Metallstich eines Storches wie draußen hing auch hier, über der Theke, an der Wand zwischen zwei gewaltigen Schränken, deren dunkle Schiebetüren geöffnet waren und den Blick auf unzählige Gläser auf der einen und etliche gefüllte Flaschen auf der anderen Seite freigab.
Einige Anwesende hatten sich zu ihnen umgewandt, als sie das Geräusch der sich öffnenden Tür vernommen hatten, und die Blicke dieser blieben einen Moment an ihnen - oder eher Kaj, Vodrek und Anesha - hängen, und daraufhin sahen sich weitere nach den drei seltsamen Gestalten um. Doch nach wenigen Sekunden war dann doch das Gespräch oder auch das Essen wieder wichtiger, und die Aufmerksamkeit wurde von ihnen abgewandt.
Erst etwa ein Viertel der Tische war besetzt, doch Lucia war auf einen Platz in einer der Ausluchten aus, die sich an den Seiten des Gebäudes aneinanderreihten; dort war man ein wenig abseits und ungehört von anderen Gästen. Die Ausluchten waren nicht völlig verglast - ohnehin bot sich kein allzu spannender Ausblick nach draußen: auf der einen Seite war es eine wenig belebte Gasse, auf der anderen waren es einige Bäume, hinter denen ein fensterloses Haus stand. Auf letzterer Seite war ein letzter solcher Standerker frei, jedoch machte sich gerade ein hagerer, hakennasiger Mann von der Theke auf den Weg dorthin. Lucia trat ruckartig nach vorn und lenkte so den Blick des Mannes auf sich; sie reckte den Kopf und spähte mit zusammengezogenen Augenbrauen angestrengt hinter ihn, als sähe sie dort etwas äußerst seltsames. Neugierig drehte er sich um - und als er letztentlich zu dem Schluss kam, dass das, was sie dort gesehen hatte, nicht mehr da sei, und die letzten Schritte zu dem angestrebten Platze tun wollte, da stellte er fest, dass sich soeben Lucia auf einen der Stühle an ebendiesem Tisch fallen ließ. Anesha folgte ihrer Gefährtin soeben huldvoll und setzte sich auf den Stuhl vor der Wand zwischen den Fenstern, die in die schräge Wand zwischen Rückseite der Auslucht und den Wänden des Hauptraumes eingelassen waren - dorthin, wo es am dunkelsten war.
Auch eine der Schankmaiden hatte die Gruppe bemerkt und kam, bewaffnet mit einem Stapel dünner Heftchen aus billigem Papier, in klappernden Holzschuhen näher. Wie auch ihre Kolleginnen trug sie eine etwa knielange, beige Schürze und darunter rote, anscheinend nicht vom Gasthaus gestellte Kleidung, denn diese unterschieden sich bei jeder von ihnen.
"Bittesehr", sagte die junge, blondhaarige Frau und legte die Menükarten auf den Tisch, "heben sie die Hand, sobald sie wissen, was sie bestellen möchten."
Damit war sie wieder fortgehuscht, an einen anderen Tisch, wo soeben nach Bedienung gerufen wurde.
Lucia zog eines der Heftchen heran und begann es zu studieren; Anesha hingegen rührte keines an, sondern lehnte sich zurück und ließ den Blick durch den Raum wandern.
Die warmen Sonnenstrahlen erzeugten auf dem mittelbraunem, billigem Holz, dessen Farbe im Schankraum vorherrschte, ein aprikotfarbenes, schummeriges Licht, dass zugleich rötlicher und grauer wurde, während die Sonne dem Horizont entgegenstrebte. Lucia, in Überlegungen über die Wahl der Mahlzeit versunken, sah nach draußen. Die zerklüfteten Berge, die ihre Gipfel hoch hinaufreckten, lockten die goldene Himmelsscheibe hinab in die Tiefe; wenn sie ihren Blick wandern ließ, so kamen sie ihr vor wie aufgeregte Wellen, die den Sonnengott hinunter auf den ruhigen, stillen Meeresgrund bringen wollten.
Doch dann dachte Lucia an das, was vor kurzem dort im Gebirge geschehen war; und auf einmal schienen ihr die schwarzen Scharten, die sich scharf vom Himmel abhoben, mehr wie ein gezähntes Maul, dass Licht und Leben verschlingen und vernichten wollte. Sie rieb sich die Augen und rutschte ein wenig auf dem Stuhl herum, um den Nacken nicht allzusehr verdrehen zu müssen, um die Berge sehen zu können, die über den Dächern der Stadt sichtbar waren. Bald würden sie dort hinreisen. Ein leichtes Kribbeln schlich sich in Lucias Brust. Einerseits war es Vorfreude - sie hatte nun endlich wieder eine Aufgabe, sie würde wieder reisen, sie würde das tun können, was sie konnte - was sie kannte. Andererseits war es Furcht; eine Furcht, die sie genoss, denn sie zermürbte ihr Herz und war gleichzeitig etwas, das ihr Sicherheit gab, denn es war immer da, erst recht, wenn sie sich auf den Weg zur Gefahr begab und sich so gegen die Angst auflehnte. Angst vor dem Kampf, der Konfrontation mit dem Fremden, die jedem menschlichem Wesen Unwohlsein bereitet; Angst vor dem Schmerz, vor dem Wachsen des Dämonen in ihr und vor dem Tod. Sie lächelte in sich hinein und ihre Hand strich über ein Stück offenliegender Klinge eines Messers, das in einer Lederscheide an ihrem Gürtel hing. Das Metall war kalt an ihrer Haut, und die Schneide war so scharf, dass sie drohte, ihren Finger zu öffnen, würde sie nur ein wenig stärker drücken.
Sie seufzte, wandte die Augen wieder dem Heftchen vor ihr zu und nahm die Hand von dem Messer. Jetzt war nicht der Augenblicke für Träumerei; es war Zeit für Realität - und fürs Essen!
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BeitragThema: Re: The Disease (Vjal & Cynthia)   Do Jul 01, 2010 8:34 pm

Kaj folgte, wie der Rest der Gruppe, Lucia durch die Gassen und Straßen der Stadt. Wieder wichen die Leute ihnen aus, um ihrem imposanten Auftritt den Weg frei zu machen. Nach einem langen Marsch erreichten sie die Schenke. Das Gasthaus, das sie betraten, machte einen sauberen und gepflegten Eindruck. Die Leute im Inneren warfen ihnen vereinzelt Blicke zu, die von Erstaunen über Ehrfurcht bis hin zu Misstrauen reichten. Lucia ging auf einen Tisch in der Ecke des Lokals zu, zu dem allerdings auch gerade ein Mann aus Richtung der Theke unterwegs war. Lucia lenkte den Mann mit einer simplen und doch auch ein wenig dreisten List ab und huschte, dies ausnutzend, auf den Platz. Anesha, Vodrek und Kaj folgten ihr. Der um den Platz betrogene Mann schien noch protestieren zu wollen und öffnete den Mund, doch dann fiel sein Blick auf Kaj, insbesondere auf dessen Schwert und begegnete schließlich Vodreks mürrischem Blick. Er überlegte es sich anders und schlurfte durch den Raum auf eine andere Ecke zu. Kaj konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Nachdem die Bedienung ihnen die Karten gebracht hatten, studierte er diese und entschied sich schließlich für ein feines Schnitzel und natürlich ein großes Horn Met. Er schaute in die Runde. Anesha war im Halbschatten ihres Platzes nur schwer auszumachen. Vodrek studierte immernoch die Karte und seine Lippen bewegten sich beim Lesen. Als er sah, dass Kaj ihn dabei zusah, murrte er: "Ich kann diese Menschlingsschrift kaum entziffern... warum schreibt ihr nicht in einer simplen Runenschrift, wie wir Zwerge?" Kaj lächelte nur und schüttelte den Kopf. Sein Blick wanderte weiter zu Lucia, die, mit einem Lächeln voller Vorfreude, durch das Fenster sah.
"Was reizt euch zur Belustigung, Mylady? Doch nicht etwa die erlesene Aussicht auf die schmutzige Straße."
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BeitragThema: Re: The Disease (Vjal & Cynthia)   Do Jul 01, 2010 8:44 pm

Aneshas dunkle Gestalt regte sich leicht, als Vodrek sich über die Menschenschrift beklagte.
"Soll ich Euch vorlesen, was in der Karte steht, Vodrek?", fragte sie mit spürbar gekünsteltem Liebreiz. Lucia indes ignorierte Vodrek und Anesha erneut und blickte zu Kaj, dem sie ein verlegenes, halbes Lächeln schenkte.
"Keinesfalls...es ist nur so, dass ich mich auf das freue, was vor uns liegt. Ich genieße es, zu reisen", antwortete sie und klappte das Heftchen zu, denn sie hatte sich inzwischen entschieden.
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BeitragThema: Re: The Disease (Vjal & Cynthia)   Do Jul 01, 2010 8:57 pm

Vodrek funkelte Anesha böse an, sagte aber nichts weiter. Kaj währenddessen beachtete die beiden kaum.
"Nicht nur die Reise erwartet uns, auch die Gefahr, wie ihr wisst. Erstreckt sich eure Vorfreude auch auf den Kampf?"
Vodrek schmiß die Karte auf den Tisch.
"Ich wär soweit." sagte er, mehr zu Anesha denn zur Runde.
"Wollt ihr nichts essen, Anesha?" fragte Kaj, nur einen kurzen Blick auf die Genannte werfend. Dann kehrte sein Blick in Erwartung einer Antwort wieder zu Lucia zurück.
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BeitragThema: Re: The Disease (Vjal & Cynthia)   Do Jul 01, 2010 9:11 pm

Einen Augenblick lang schwieg Lucia; das Kämpfen war ihr ein nötiges Übel, obgleich die aufgebrachte Konzentration sie von dem bewussten Denken erlöste; doch die strenge Kontrolle, die sie über sich und das Wesen in ihr haben musste, hinderten sie daran, es als etwas positives zu erfahren, wie andere Krieger es taten. Andererseits war da der blutige Rausch des Dämons, dessen lodernde Gier ihre Emotionen zur Gänze fraß und sie mitriss; und schlussentlich der Triumph, den sie verspürte, wenn sie den Gegner traf und niederzwang, selbst die eigenen Wunden, den Schmerz, empfand sie in einer gewissen Weise als einen Segen - auch wenn er zugleich den Wunsch in ihr schürte, fortzurennen, fort von der Schlacht, und alles hinter sich zu lassen, zu vergessen, erneut alles zu vergessen, wie sie es schon einmal getan hatte - fort von diesem nichtsnutzigem Leben.
"Ja, meine Vorfreude erstreckt sich auch auf den Kampf", antwortete sie schließlich und legte die Menükarten aufeinander, sodass die Schankmaid es einfacher haben würde, diese einzusammeln.
Anesha erwiderte, nachdem Lucia gesprochen hatte: "Nein, ich nehme nichts zu mir." Dem Wortwechsel zwischen Kaj und Lucia war sie aufmerksam gefolgt; nun hing ihr Blick nachdenklich an Lucia, bevor die Schattengestalt wieder gelangweilt fortsah.
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BeitragThema: Re: The Disease (Vjal & Cynthia)   Do Jul 01, 2010 9:46 pm

"Was ist Hexe, habt ihr Angst ihr könntet platzen?" Vodrek ließ ein dreckiges Lachen hören.
"Dann lasst uns bestellen." sagte Kaj in dem Bestreben, einen neuerlichen Streit zwischen Anesha und Vodrek zu verhindern. Das feurige Gemüt des Zwergs konnte nur allzu leicht dazu führen, dass er etwas Unüberlegtes tat. Er hob den Arm und nur kurze zeit später eilte dieselbe Schankmaid wie zuvor an ihren Tisch.
"Sie wünschen?"
"Ein Schnitzel vom Schwein und ein großes Horn von eurem besten Met bitteschön."
"Dasselbe" murrte Vodrek mit einem giftigen Blick auf Anesha.
Die Schankmaid notierte die Bestellungen auf einem Notizblock aus billigem Pergament und wandte sich Lucia und Anesha zu.
"Und die Damen?"
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BeitragThema: Re: The Disease (Vjal & Cynthia)   Do Jul 01, 2010 9:57 pm

Anesha lächelte nur still auf Vodreks hämische Frage und lehnte sich in auf ihrem Stuhl zurück.
"Für mich nichts."
"Ich schließe mich bei dem Met an", sagte Lucia, "dazu gebratene Flugente."
Die Magd nickte, schrieb auch dies auf und griff nach dem Stapel Menükarten. Daraufhin huschte sie in Richtung Küche davon.
"Warum esst Ihr nichts, Anesha?", fragte Lucia.
"Hunger ist kein Gefühl, das zu meinem Körper gehört", war deren Antwort, und Lucia runzelte fragend die Stirn.
"Wollt Ihr uns nicht verraten, was für ein Wesen Ihr seid?"
"Nun", kam zurück, dann war es einen Moment still. Nach einer Weile jedoch schien Anesha zu dem Schluss zu kommen, dass es nicht viel nützte, zu schweigen. "Ich bin eine Art..." Eine nachdenkliche Pause entstand. "Eine Art Schatten."
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BeitragThema: Re: The Disease (Vjal & Cynthia)   Do Jul 01, 2010 10:18 pm

Erneut huschten Kajs und Vodreks Hände zu ihren Waffen, als Anesha schließlich offenbarte, was sie war.
"Eine Hexe, wie ich sagte!" rief Vodrek und spie auf den Boden. Die anderen Gäste wandten sich bei seinem Ausruf zu ihnen um und beobachteten das Geschehen interessiert.
"Über diese Rasse habe ich bisher nicht besonders viel Gutes gehört." meinte Kaj leise. "Allerdings muss ich auch gestehen, dass ich noch nicht viel über Schatten hörte." Er wandte sich zu den gaffenden Leuten um und sah sie alle einschüchternd an, was noch durch seine, sich leicht ausbreitenden Schwingen noch unterstrichen wurde, bis sie sich wieder ihrem Essen oder tuschelnden Gesprächen zuwandten, angestrengt lauschend, um ja jedes Wort der seltsamen Gruppe zu hören.
"Ihr könnt mir da doch sicherlich weiterhelfen."
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BeitragThema: Re: The Disease (Vjal & Cynthia)   Do Jul 01, 2010 11:02 pm

Lucia starrte fest in Aneshas Augen, während diese sprach, und diese erwiderte den Blick. Keine Freundlichkeit lag in den Augen der Frauen, doch diese Offenbarung ließ sich das Etwas in Lucias Innerem regen; eine unbestimmte Hitze stieg ihren Hals hinauf, belebte ihre Glieder mit Glut und legte etwas Düsteres um ihre Augen. Es dauerte nur den Bruchteil einer Sekunde an, kaum wahrnehmbar für jemanden, der ihr nicht die absolute Aufmerksamkeit schenkte. Doch in dieser kurzen Zeit entstand eine Art gegenseitiges Verständnis zwischen den beiden - obgleich es sich keineswegs positiv auszuwirken vermochte.
Anesha brach den Blickkontakt und musterte Vodrek und Kaj. Sie hatte mit einer solchen Reaktion gerechnet und wusste, dass sie sich nun in einer nicht ungefährlichen Lage befand - weswegen sie den Hohn ausnahmsweise unterließ, der ihr auf der Zunge lag. Sie spürte, dass Lucia sie noch immer unverwandt ansah, dass Vodrek vor Verachtung kaum zu halten war, und auch Kajs Ausstrahlung war bedrohlich.
Als sie antwortete, senkte sie die Stimme, sodass sie nur für jene verständlich war, die sich am Tisch befanden.
"Schatten sind das, was bleibt, wenn man einem Lebewesen, das ein Bewusstsein besitzt, alles nimmt. Körper, Seele, Geist. Schatten sind Überbleibsel von Gefühlen, Instinkten und Gedanken. Jedoch fast nur negativer Art. Das ist der Grund, warum Schatten so verhasst sind."
"Du warst...also nicht immer das, was du jetzt bist", schloss Lucia, und zurückhaltende Kälte lag in ihrer Stimme.
"Nein, ich war einmal ein lebendiges Wesen wie ihr. Ich war eine Gestaltwandlerin. Aber die Dunkelheit zog mich an und ich entschied, Teil ihrer zu werden."
Das Blut wich aus Lucias Gesicht. Sie kannte die Dunkelheit, von der Anesha sprach. Sie verschlang auch sie selbst, zog sie tiefer hinab und würde sie eines Tages ihres Lebens, ihrer Seele berauben. Die Finsternis brachte das Gefühl von Geborgenheit mit sich, gab Sicherheit und Stärke. Doch überdies war sie grausam. Sie wollte ein normaler Mensch sein, wollte nicht den Dämon in ihr. Sie wollte leben und nicht ein Teil der Dunkelheit werden, so schön, so verlockend diese auch aussehen mochte. Nicht, dass sie sich dahingegen jemals dem versklavendem, geheimnislosem Licht hingegeben hätte - lediglich ein normales Leben war es, was sie wünschte. Wie konnte jemand etwas anderes erstreben? Sich selbst aufgeben, um seine Freiheit und seine Rechte abzugeben und dafür ein wenig einsame, isolierende Macht zu erlangen?
Wie hatte Anesha ihr Selbst aufgeben können, ihr Bewusstsein, ihre Gedanken, alles, was sie ausmachte? Und warum? Ein Schauder lief ihr bei der Vorstellung über den Rücken, denn Aneshas Aura und die Erfahrung einer Besessenen, die sie nun einmal war, machte ihr klar, welche Bedeutung diese Worte wahrlich hatten.
"Du bist ein Monster", sagte Lucia leise, so leise, dass es kaum zu hören war.
Anesha drehte sich wieder zu Lucia um. "Ein Monster, das auf eurer Seite kämpft", war ihre Antwort.
"Wie können wir sicher sein, dass du es dir nicht anders überlegst?"
Der Schatten schnaubte leise. "Und das fragst gerade du, Lucia?"
Diese schwieg und wandte sich ab. Natürlich hatte Anesha recht. Jeder von ihnen konnte eines Tages beschließen, sich von den anderen abzuwenden. Und gerade sie - was, wenn der Dämon in ihr die Kontrolle übernahm? Wenn ihr durch diesen geschwächter Geist von etwas Fremdem angegriffen wurde, sie zum Verräter machte?
Sie würden schon sehen, was passieren würde; es ließ sich ohnehin nicht voraussagen, und wenn es so weit war, würden sie irgendwie damit umgehen. Was sollten sie nun schon tun? Anesha töten und zu dritt weiterziehen? Nein. Sie brauchten jede Hand, die verfügbar war, für das, was sie vorhatten, und zusammen waren sie stärker als einzeln.
Und dennoch... Ihr Blick wanderte durch den Raum, ohne irgendetwas von dem wahrzunehmen, was vorging. Dennoch...
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BeitragThema: Re: The Disease (Vjal & Cynthia)   Fr Jul 02, 2010 11:57 pm

Mit wachsendem Grauen lauschte Kaj Aneshas Worten. Die Vorstellung, dass jemand freiwillig alles aufgab, nur wegen des Versprechens finsterer Macht... Es wollte ihm nicht in den Kopf. Natürlich würden sie im Augenblick nicht gegen Anesha vorgehen, doch er würde die gesamte Reise lang ein wachsames Auge auf sie haben. Doch vor allem der letzte Satz Aneshas ging im durch den Kopf. Die Frage, warum gerade Lucia ihr Misstrauen bekundete, beunruhigte ihn. Er musste in absehbarer Zeit unbedingt unter vier Augen mit Lucia reden. Vodrek allerdings war nicht so subtil.
"Habt ihr etwa auch ein kleines Geheimnis, Menschin? Es wäre wohl ein guter Zeitpunkt, es auszusprechen. Nicht, dass am Ende ihr diejenige seid, die unseren Untergang herbeiführt!"
Kaj warf Vodrek einen vernichtenden Blick zu, den der Zwerg trotzig erwiederte, bevor sich seine Augen wieder auf Lucia richteten.
"Entschuldigt?" fragte eine piepsige Stimme hinter Kaj. Er drehte sich um und sah die Schankmaid, die Arme mit Tellern und Tabletts beladen, eingeschüchtert vor ihnen stehen.
"Hier ist ihre Bestellung." Sie verteilte die Speisen und huschte dann geschwind wieder hinter die Theke.
Vodrek nahm einen tiefen Zug aus seinem Methorn. "Erbärmliches Menschengebräu. Da würde ja ein Goblin nicht von umfallen." murmelte er in seinen Bart, dann sah er wieder Lucia grimmig an.
"Nun?"
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